Der Bewegungsablauf beim SensenmŠhen

 

Vorwort

 

Im April 2004 wurde von den Organisatoren des geplanten Sensen-Symposiums an  Dr. Otto Flei§ (von der Steirischen Gesellschaft fŸr WirbelsŠulenforschung) das Anliegen herangebracht, den Bewegungsablauf beim MŠhen zu dokumentieren und den Einfluss auf den Kšrper zu analysieren.

( Als Professor fŸr Bewegungslehre an der UniversitŠt Graz hat sich Dr. Flei§ auf die Belastung der WirbelsŠule bei der Arbeit und bei sportlichen TŠtigkeiten spezialisiert).  

 

Zum Zweck dieser Studie wurden 4 MŠher ausgewŠhlt, die verschiedene MŠhtechniken anwenden und mit verschiedenen Sensen mŠhten. Die BewegungsablŠufe wurden von der Seite, von vorne und hinten und von oben mit Video und Fotosequenzen aufgezeichnet. Die Ergebnisse wurden von Dr. Flei§ beim Symposium prŠsentiert und bestŠtigten meine †berzeugung, dass beim optimalen MŠhen keine ungŸnstige Belastung auf die WirbelsŠule wirkt und dass die MŠhbewegung sogar als therapeutische Ma§nahme eingesetzt werden kšnnte.

 

Am Ende des Festivals wurden noch verschiedene Techniken des MŠhens aufgezeichnet (unter anderem die eines Mitglieds des …sterreichischen Nationalteams im MŠhen) und es ist zu hoffen, dass die Ergebnisse der Bewegungsanalysen im Internet abrufbar sein werden.

 

Als einer der Initial-Gruppe wurde ich noch im April gefragt, ob ich nicht einen kurzen Bericht schreiben wŸrde, der die HintergrŸnde fŸr meine etwas unorthodoxe MŠhtechnik erklŠren sollte. Nun liegt dieser etwas ausfŸhrliche Bericht vor, der keinen Anspruch auf eine professionelle Bewegungsanalyse stellen soll sondern eher eine Beschreibung eines Landwirtes ist Ÿber das was er tut und warum er es tut.

 

Peter Vido, 3. JŠnner 2005

 

Die Technik des MŠhens mit starker Seitbewegung, deutlicher Gewichtsverlagerung und rhythmischem Rotationsschwung

 

Bevor ich auf die Interpretation meiner MŠhtechnik eingehe, mšchte ich mit der Zusammenfassung beginnen, die Dr. Flei§ anlŠsslich des Symposiums in Molln prŠsentiert hat:

 

1.    Ein Hauptmerkmal der MŠhbewegung von Peter Vido ist die deutliche Seitbewegung.

2.    Bei Beginn und am Ende der Schnittbewegung wird der Oberkšrper bis Ÿber das jeweilige StŸtzbein verlagert – daraus entsteht eine verstŠrkte seitliche Gewichtsverlagerung.

3.    Durch die gro§e Schrittbreite (ca 75 cm) und die Seitbewegung des Oberkšrpers wird mit der langen Sense (Wiesensense) eine Schnittbreite von ca. 290 cm erreicht.

4.    Die erhšhte Schnittbreite ist gekoppelt mit einer verlŠngerten Schwungzeit (ca. 1.3 sec fŸr den Schnittschwung und 1.4 sec fŸr den RŸckschwung).

5.    Die Dynamik der Schwungbewegung ergibt sich aus der Rotation des Oberkšrpers, der Seitbewegung des Kšrpers, der Beinarbeit (Beugen und Strecken der Beine) und dem ausgewogenen Bewegungsrhythmus.

6.    Die kontinuierliche AktivitŠt der RŸcken- und Bauchmuskulatur stabilisiert die WirbelsŠule. Bei geringer Oberkšrpervorlage und zusammen mit leichten WirbelsŠulenbewegungen stellt die KrŠftigung der RŸcken- und Bauchmuskulatur einen PrŠventivfaktor gegen WirbelsŠulenprobleme dar.

7.    Durch die AusnŸtzung der Schwungbewegung kšnnen Arm- und Schultermuskulatur relativ entspannt bleiben.   

8.    Voraussetzung fŸr die entspannte Arm-Schulterpartie sind sowohl eine optimal ausbalancierte Sense als auch optimal geformte und angepasste Griffe.

9.    Der zeitlich verlŠngerte Schwung unterstŸtzt eine langsamere und tiefere AtemtŠtigkeit.

 

 

Abb. 1: Beginn der Schnittbewegung. Der Oberkšrper ist Ÿber dem StŸtzbein rechts, das linke Bein ist entlastet und wird nach vor bewegt.

 

 

Abb. 2: Nach der Auflšsung der Oberkšrpertorsion, welche die erste Schnittphase unterstŸtzt,  wird die weitere Schnittbewegung durch die Seitbewegung des Kšrpers und der ãBeinarbeitÒ unterstŸtzt. Die breite Schrittstellung ermšglicht die gro§e Schnittbreite und das weite seitliche Schwingen des Kšrpers.

 

 

Abb.3:Am Ende der Schnittbewegung ist der Oberkšrper Ÿber dem linken StŸtzbein, durch das weite Ausschwingen der Sense erfolgt eine deutliche Rotation des Oberkšrpers, dessen Auflšsung die RŸckbewegung einleitet. Das rechte Bein ist všllig entlastet und wird mit Beginn der RŸckbewegung der Sense nach vor aufgesetzt.

 

 

 

 

Abb.4: Die Aufnahme von oben zeigt ein Merkmal der ãSchwungtechnikÒ Peter Vidos: das weite RŸckschwingen der Sense am Ende der RŸckschwungbewegung bewirkt eine Torsion des SchultergŸrtels zur Becken- bzw. Fu§achse. Die daraus entstehende Vorspannung in Muskeln, Sehnen, Gelenken usw. unterstŸtzt den Beginn der Schnittbewegung. Am Ende der Schnittbewegung erfolgt wiederum eine Rotation des Oberkšrpers, wodurch die Vorspannung fŸr die RŸckbewegung der Sense aufgebaut wird.

 

 

Abb.5: FŸr das entspannte Schwingen der Sense darf keine Verspannung in der Hand- und Armmuskulatur entstehen. Eine gut ausbalancierte Sense und speziell gestaltete Griffe sind die Voraussetzungen dazu.

Die stabilisierte WirbelsŠule mit einer relativ aufrechten Kšrperhaltung zielt auf die Idee des RŸckentrainings durch MŠhen.

(soweit die Zusammenfassung vom Vortrag Dr. Flei§)

 

 

Zur Ergonomie des MŠhens

 

Es gibt unzŠhlige Referenzen in der Literatur – in Prosa,  Gedichten und  Liedern aus vielen Kulturen -, die darauf hinweisen, dass eine gute Sense der Kategorie jener Werkzeuge zugeordnet wird,  deren Gebrauch sowohl kšrperlich als auch geistig als Therapie genŸtzt werden kann. In der Tat wurde das MŠhen vielfach mit Tanzen verglichen.

 

Um als Physiotherapie zu wirken, muss die Bewegung jedoch derart ausgefŸhrt werden, dass der Kšrper sich in einer mšglichst angenehmen Kšrperposition befindet (und den MŠher in die Lage versetzen, seine verfŸgbare Energie bestmšglich einzusetzen).

 

Einige der traditionellen MŠhstile erfŸllen diese Forderung, viele jedoch nicht. Gewisse Kombinationen von Wurf und Sense erzwingen eine stŠrkere Oberkšrpervorlage, als es fŸr die WirbelsŠule gŸnstig ist. Au§erdem wird die Sense vielfach ausschlie§lich von einem Arm ãangetriebenÒ – was sowohl beim leichten MŠhen als auch beim intensiven MŠhen erfolgen kann.

 

Die Landbevšlkerung, ausgestattet mit einer krŠftigen Konstitution, hat diese Belastungen augenscheinlich als unausweichlich akzeptiert, vielleicht auch deshalb, weil das MŠhen, verglichen mit anderen bŠuerlichen Arbeiten, eine eher leichte TŠtigkeit war. (Ein alter …sterreichischer  hat mir sogar erzŠhlt, dass ãein Mann fŠhig sein sollte sich beim MŠhen zu erholenÒ).

 

Als Farmer habe ich selbst dieses wunderbare ArbeitsgerŠt anfangs fŸr rein praktische Zwecke verwendet, das Potential als ãMedizinÒ hat meine Aufmerksamkeit jedoch von Anfang an gefesselt. Nach einem Unfall, bei dem meine rechte Schulter und das rechte Handgelenke verletzt wurden, konnte ich fŸr lŠngere Zeit nicht in der gewohnten Technik mŠhen. Es wŠre angebracht gewesen, eine ãlinkshŠndigeÒ Sense zu verwenden, aber damals wusste ich nicht, dass es diese gab.

 

 

Ich wurde mich mit drei Themenbereichen konfrontiert, mit denen sich viele MŠher auseinandersetzen:

 

1.    das GerŠt wird zuerst einmal entworfen und danach an den MŠher angepasst (LŠngeneinstellungen, SchŠrfe usw.)

2.    der MŠher setzt die  Antriebskraft seines Kšrpers in seiner wirkungsvollsten Weise ein,

3.    unter BerŸcksichtigung der Punkte 1 und 2 und besonders unter der Bedingung, dass das GerŠt fŸr lŠngere Zeit eingesetzt wird, sollte sich der MŠher angenehm und wohl fŸhlen.

 

Je mehr ich unter BerŸcksichtigung dieser drei Gesichtspunkte mŠhte, desto mehr schien es mir vom Standpunkt der Ergonomie aus, dass die konventionelle MŠhtechnik verbessert werden kšnnte.

Zum Beispiel:  wenn man die Kraft der Beine einsetzt, um die Sense - teilweise durch Verlagerung des Kšrpergewichts - von einer Seite auf die andere anzutreiben, dann reduziert sich der Kraftaufwand der Arme signifikant und sie ermŸden nicht so schnell. Schultern und Nacken kšnnen ebenfalls entspannter bleiben und die Bewegung fŸhlt sich besser ausbalanciert an.

 

Die MŠhtechnik, die ich weiter unten beschreibe, entwickelte sich langsam, wŠhrend ich zwei Ziele verfolgte:

 

1.    die Kraftanstrengung so gleichmЧig wie mšglich Ÿber den ganzen Kšrper zu verteilen und

2.    die Bewegung optimal mit meiner bevorzugten Atemfrequenz zu synchronisieren.

 

 

Bewegungsbeschreibung

 

Was ich als Bewegungszyklus oder als die MŠhbewegung bezeichne, besteht aus zwei Phasen: der Schnittbewegung (das Sensenblatt bewegt sich vorwŠrts) und der RŸckhohlbewegung (das Sensenblatt bewegt sich zur Ausgangsposition zurŸck).

 

Wenn die Bewegung beginnt (1. Bild), ist das Gewicht des MŠdchens hauptsŠchlich auf dem rechten Bein, welches zu diesem Zeitpunkt auch gebeugt ist. Sie lehnt sich leicht nach rechts wobei das Sensenblatt auf der Erde aufliegt.

 

Zum Zeitpunkt, wenn die Schnittbewegung – also die erste Bewegungsphase – beendet ist, befindet sich das Gewicht auf dem linken Bein, welches nun gebeugt ist. Der rechte Fu§, der nun unbelastet ist, bewegt (schiebt) sich nach vor und zwar so weit, wie es der jeweiligen Schnitttiefe entspricht, z.B. 10 – 20 cm.

Bei einem leichten  Schnitt mit einem scharfen 90 cm Blatt kann der Vortrieb 30 cm oder mehr betragen.

 

Beachten Sie, dass die SeitwŠrtsbewegung des MŠdchens nach beiden Seiten (Bild 1-4) nicht Ÿber die bequem breite Kniestellung hinausgeht.

 

In Bild 5 hat sie soeben die RŸckbewegung beendet und ihre linke Ferse ist leicht abgehoben, wenn sie zum VorwŠrtsschritt ansetzt. Ihr Nacken, RŸcken und  Unterschenkel haben fast dieselbe Neigung. Dies ist eine Haltung, welche die WirbelsŠule nicht belastet (und ist sehr Šhnlich einer der Grundpositionen im Tai-chi).

 

In geringem Ma§e wird ihr Kšrper die gesamte Zeit Ÿber durch den Kontakt des Blattes mit dem Boden unterstŸtzt, da das Sensenblatt immer in BerŸhrung mit dem Boden bleibt -  in beiden Phasen des Schwunges.

Beim RŸckschwung wird nur das Sensenende leicht angehoben – um die Reibung mit dem Boden zu verringern und um eingefangenes Gras freizugeben – wird jedoch wieder flach aufgesetzt, bevor der VorwŠrtsschwung beginnt.

 

Bei der traditionellen MŠhtechnik wird das gesamte Sensenblatt bei der RŸckbewegung abgehoben und ist daher auch noch vor dem Schnittbeginn leicht angehoben. Daraus ergibt sich, wie ich annehme, eine hšhere Geschwindigkeit bei der Schnittbewegung. Obwohl dies stimmen mag, so ist die zusŠtzlich benštigte Energie fŸr das Abheben der Sense doch grš§er als der Vorteil der hšheren Schnittgeschwindigkeit, insbesondere wenn es um den therapeutischen Aspekt geht. 

 

Bei einer Stunde WiesenmŠhen werden ungefŠhr 1200 bis 1500 Schnittbewegungen durchgefŸhrt. Eine durchschnittliche Sense wiegt zwischen 1.5 bis 1.8 kg. Bei einer Stunde MŠhen summiert sich dies auf mehr als 2 Tonnen. Ich halte daher die flache SensenfŸhrung ohne Abheben fŸr die gŸnstigere MŠhtechnik.

Die damit verbundene ãGewichtsverlagerungstechnikÒ reicht fŸr die notwendige Antriebskraft aus und ist  ergonomisch gŸnstiger.

 

Au§erdem kommt es in jedem Teil der gesamten Bewegung zu einer teilweisen Kšrperverdrehung, welche eine Wirkung vergleichbar mit einer Sprungfeder hat:

Eine Antriebskraft von kinetischer Energie wird aufgebaut und kurzfristig in Muskeln und Sehnen gespeichert. Die Bewegung in die Gegenrichtung setzt die gespeicherte Energie frei und beschleunigt die Sense, ohne den Kšrper ungŸnstig zu belasten. Schon diese Gegenrotation allein ist eine ausgezeichnete Mšglichkeit, die WirbelsŠule beweglich zu erhalten und stellt einen weiteren Beitrag zur allgemeinen Gesundheitsfšrderung durch das MŠhen dar.

 

Manchmal werde ich gefragt, ob die seitliche Gewichtsverlagerung zu einer †berbelastung der Knie fŸhren kšnnte oder ob bei schmerzhaften Kniegelenken ein aktiver Knieeinsatz nicht mšglich wŠre.

 

TatsŠchlich drŸcke ich mich nur geringfŸgig mit den Knien ab. NatŸrlich mŸssen sie gebeugt und gestreckt werden, aber darŸber hinaus spielen sie nur im Bewegungsrhythmus mit. Es gibt auch keine seitliche †berbelastung, da ich die Bewegung nur bis Ÿber die Zehen fŸhre und nicht darŸber hinaus. Anders ausgedrŸckt: in der Endstellung fŸhrt eine gedachte Linie von der HŸfte Ÿber die Knie bis zu den Zehen.  Auch spielt sich die oben besprochene Rotationsbewegung hauptsŠchlich im Oberkšrper ab und hat kaum Auswirkungen auf die Kniegelenke.

 

Die Frage ist daher: woher kommt die Gewichtsverlagerung? Die einfache Antwort ist: von den Muskeln der Unterschenkeln und der Oberschenkeln.

 

Aber es gibt noch eine ErklŠrungsmšglichkeit.

 

Die Gewichtsverlagerung beginnt in der Vorstellung. Dann setzt der Fu§ auf. Immer dann, wenn beschleunigende Kraft benštigt wird, wird der Fu§ fest auf den Boden aufgesetzt. Obwohl die FŸ§e nur einen geringen muskulŠren Beitrag leisten, kšnnen sie den Energiestrom dirigieren. Wenn mein Geist gesammelt ist, dann kann ich diese Energie durch meine Fu§sohlen einatmen und damit die seitliche Gewichtsverlagerung auslšsen. Wenn ich mit den Gedanken ãirgendwoÒ bin, kann ich diese frei angebotene Lebenskraft nicht nŸtzen und muss mich auf die reine Muskelkraft verlassen. Der Unterschied ist augenscheinlich – ich ermŸde rascher und vermisse das mšgliche GlŸcksgefŸhl.

 

ZurŸck zur ursprŸnglichen Frage nach der Kniebelastung: -  ich bin Ÿberzeugt, dass der MŠhstil, den ich hier beschreibe, eher eine physiotherapeutische Wirkung auf die Kniegelenke hat als eine Belastung darstellt. Auch ich hatte mehrere Jahre mit Knieproblemen zu tun. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Anmerkung 1.

 

Die Bedeutung der Atmung

 

Wenn wir uns einer anstrengenden rhythmischen TŠtigkeit unterziehen, dann ist es ganz natŸrlich, dass wir unsere Atmung auf die Bewegung abstimmen. So atmet das MŠdchen in Bild 1-3 (bei der Schnittbewegung) aus und beim RŸckschwung (Bild 4) atmet es ein.

 

Dies ist ein natŸrlicher Vorgang, und jeder MŠher, unabhŠngig davon, welchen MŠhstil er anwendet, wird bei langen rhythmischen MŠhbewegungen die Ausatmung mit der Schnittbewegung synchronisieren.

 

In die Diskussion Ÿber die MŠhtechnik ist ein weiteres Konzept integriert, welches die orientalische Medizin schon lange hervorgehoben hat: dass, je langsamer und tiefer jemand atmet, umso grš§er der therapeutische Effekt zu bewerten ist. Der wesentliche Punkt dabei ist, dass der Atem uns nicht nur mit Sauerstoff versorgt, sondern auch der TrŠger des Chi ist. (Anmerkung 2)

 

WŠhrend unterbrochener Perioden in den letzten 35 Jahren meines Lebens habe ich verschiedene gesundheitsorientierte Techniken aus dem fernen Osten ausprobiert und ich habe keine Zweifel bezŸglich ihrer Wirksamkeit. Analogien zwischen einigen Disziplinen (besonders Tai-chi) und der Kunst des MŠhens werden deutlich. Die oben besprochene Art und Weise, wie die Kraftentfaltung bei der Gewichtsverlagerung entsteht, ist eine davon.

 

Wenn man jedoch versuchen wŸrde, in einer ausgewachsenen Wiese so langsam zu mŠhen, wie es einer klassischen Tai-chi Bewegung entspricht, dann wŸrde es wohl kaum zu einem MŠherfolg kommen. Der Grund ist einfach: um effektiv Gras zu schneiden, ist eine Minimalgeschwindigkeit notwendig, unter der das Sensenblatt einfach nicht schneidet.

 

Trotzdem habe ich versucht, das MŠhen mit Meditation zu vereinbaren und mein erstes Bestreben war es, meine Atemrate zu verlangsamen.

 

Die traditionelle MŠhbreite schwankt zwischen 1.5 m und 2.2 m und die MŠher benštigen 0.9 sec oder weniger fŸr eine MŠhbewegung. Indem ich mit Hilfe der Seitverlagerung die MŠhbreite auf 2.8 bis 2.9 m verbreitere, kann ich tiefer und langsamer atmen. AbhŠngig von den GrasverhŠltnissen atme ich 1.1 bis 1.3 sec aus (Schnittbewegung) und 1.3 bis 1.5 sec ein (RŸckschwungbewegung). Dies ist fŸr mich angenehmer, wenn ich im Freien bin, um zu mŠhen und nicht um zu meditieren.

 

ãNicht alles, was glŠnzt, ist GoldÒ

 

Ein britischer Journalist, der meinen MŠhstil wŠhrend des Sensenfestival in …sterreich sah, bezeichnete ihn in einem  Artikel als ãŠu§erst wirkungsvollÒ. Ich fŸhlte mich veranlasst, ihn zu korrigieren, indem ich vorschlug, dass ãenergiesparendÒ oder ãgut zum KšrperÒ besser passen wŸrden.

 

Eine kurze Zusammenfassung der besprochenen Richtlinien scheint notwendig:

 

Erstens: das Ziel, eine besonders gro§e MŠhbreite zu erzielen, ist nicht immer vorteilhaft oder erstrebenswert und auch nicht besonders effizient. Alles hŠngt von den individuellen Parametern (der LeistungsfŠhigkeit) ab. Die MŠhtechnik, die hier besprochen wird, kann kaum gewŸrdigt werden, wenn es nur darum geht, Grass zu mŠhen und wenn der MŠher Energie sparen soll. Wenn z.B. ein starker Mann einen 2 m breiten Streifen mŠht und die Sense hauptsŠchlich mit dem Oberkšrper bewegt, dann kann er unter gewissen UmstŠnden (s. Anmerkung 3) genau so viel oder mehr in einer gewissen Zeit mŠhen wie ich mit meiner 2.9 m breiten MŠhbewegung, jedoch wird er sich mehr anstrengen mŸssen als ich.

 

Selbst wenn wir den therapeutischen Aspekt nicht berŸcksichtigen, bin ich sicher, dass weder ich noch meine Frau oder meine Kinder soviel mŠhen kšnnten, wenn wir eine der traditionellen MŠhtechniken verwendeten die ich kenne (wir wŸrden einfach frŸher mŸde werden).

Die weite MŠhbewegung ist auch všllig unbrauchbar fŸr die kurzzeitlichen MŠhwettbewerbe, bei denen Geschwindigkeit eher als energiebewahrende Technik eine wesentliche Rolle spielen.

 

 

 

Anpassung des Wurfes

 

Unser Freund Tony Beeler (ein Schweitzer Landwirt, der auch einmal Landesmeister im MŠhen war) sagt gerne ãein guter MŠher kann mit jeder Sense mŠhen und ein schlechter mit keinerÒ.

 

Irgendwie hat er recht. Ich habe ihn gesehen, wie er dies demonstriert hat, indem er mit SensenwŸrfen, die sowohl viel zu lang fŸr ihn waren als auch so kurz, dass sie fŸr einen 10 jŠhrigen Jungen gepasst hŠtten, au§ergewšhnlich gut gemŠht hat.

 

Aber nur wenige sind wie Tom ...und um ein bestmšgliches Ergebnis zu erzielen, sollte der Wurf spezielle Ma§e haben, abhŠngig sowohl von der Kšrpergrš§e des MŠhers als auch vom GelŠnde, welches gemŠht wird.

 

Au§erdem sollte ein ernsthafter MŠher, der die Sense fŸr verschiedene Aufgaben einsetzt, zumindest zwei aufgabenspezifische Sensen einsetzten. Da es dafŸr keine speziellen FachausdrŸcke gibt, verwende ich den Ausdruck ãWiesensenseÒ (field scythe) und ãGartensenseÒ (trimming scythe).

 

Die Wiesensense mit einem lŠngeren Blatt und einem lŠngeren Wurf eignet sich besser fŸr die Arbeit in Bereichen, wo es keine BeschrŠnkungen fŸr die MŠhbreite gibt (kann auch ein weitlŠufiger Obstgarten sein oder ein Rasen). FŸr den Bewegungsstil mit dem tieferen und eher meditativen Atmen, der oben besprochen wurde, ist dies die bevorzugte Sensenart.

 

Die Gartensense ist dann sinnvoll, wenn Hindernisse oder die Gegebenheiten des Terrains die MŠhbreite limitieren und einen unterschiedlichen MŠhstil und ein sich dauernd verŠnderndes Bewegungsmuster erzwingen. Die Gartensense im Vergleich zur Wiesensense sollte ein kŸrzeres Sensenblatt haben und einen kŸrzeren Wurf. Wenn ich viel an steileren HŠngen mŠhen mŸsste, wŸrde ich zusŠtzlich einen speziellen Wurf dafŸr benŸtzen, aber grundsŠtzlich reichen die beiden besprochenen Sensen als ãBasismodelleÒ aus.

 

Der  Referenzpunkt fŸr meine Richtlinie, mit der wir einen individuell angepassten Wurf festlegen kšnnen, ist das HŸftgelenk, Ÿber dem der Oberkšrper wŠhrend des MŠhens rotiert. Den Abstand zwischen dem HŸftgelenk und dem Boden bezeichne ich als ãAÒ (Diagramm 1).

 

 

Diagramm 1

 

Trotz der Unterschiede in den individuellen Kšrperproportionen glaube ich, dass der rechte (untere) Handgriff einer Gartensense in der Hšhe des HŸftgelenkes sein sollte, wenn die Sense wie abgebildet in Diagramm 1 mit fixiertem Sensenblatt senkrecht neben dem MŠher aufgestellt wird. Bei der Wiesensense sollte der Griff zumindest 5 cm Ÿber dem HŸftgelenk sein. (Bei der Bestimmung der Abmessungen des Wurfes sollten jene Schuhe getragen werden, mit denen gemŠht wird, der Unterschied kann einige cm bedeuten.)

 

Den Abstand vom unteren Griff bis zum unteren Ende der Sense bezeichnen wir mit A1 fŸr die Gartensense und mit A2 fŸr die Wiesensense. Den Abstand zwischen den beiden Griffen benenne wir mit B1 und B2. B1 sollte der Abstand vom Ellbogen des MŠhers bis zu den Fingerspitzen der ausgestreckten Hand sein – auch als Elle bezeichnet. B2 sollte 5 bis 10 cm lŠnger sein.

 

Es gibt zwei Details, die eine ergonomischere Arbeit ermšglichen, wenn sie im Design des Wurfes berŸcksichtigt werden, und die es mir auch erlauben, in einer entspannteren Art und Weise zu mŠhen:

 

1.    ein verstŠrktes (oder zusŠtzliches) Holz am oberen Teil des Wurfes (um ein Gegengewicht zum Sensenblatt zu haben und damit das gesamte GerŠt besser auszubalancieren),

2.    die Form der Griffe und der Winkel, in dem sie auf dem Wurf montiert sind.

(Die Griffe sind in einer optimalen Form nicht rund sondern oval und der Montagewinkel betrŠgt nicht 90 Grad sondern ist geringer).

Au§erdem sollte der Griff derart gebaut sein, dass der Daumen auf dem Griff ruht und zum Balancieren der Sense eingesetzt werden kann.

        

(wird fortgesetzt)